Donnerstag, 12. Februar 2015

Rituale in der guten Kinderstube

Eine meiner liebsten Bloggerkolleginnen, die gute Tanja alias Tafjora, hat zu einer Blogparade aufgerufen: Rituale aus der eigenen Kindheit.
Sie selbst hat ein Ritual aus ihrer Kindheit auch in die Kindheit ihrer Söhne hineingetragen - ein wunderschönes noch dazu wie ich finde, aber lest selbst.

Ich musste wirklich lange überlegen, bis mir ein besonderes Ritual einfiel, das über tägliche Kleinigkeiten wie Wecken, Zähneputzen oder den Gute-Nacht-Kuss hinausgeht. Doch dann fiel es mir wieder ein: Unsere Urlaube waren gespickt mit Ritualen!

In jedem Sommer meiner Kindheit fuhren wir für einige Wochen nach Spanien, um dort Urlaub am Meer zu machen. Da mein Vater selbst Spanier ist, kam für ihn lange kein anderes Land in Frage und recht schnell wurde ein bestimmter Ort das Ziel unserer Sommerferien. Meine Eltern lassen noch heute dort jeden September die Seelen baumeln.

Die lange Autofahrt von circa 17 Stunden wurde stets über Nacht und in einem Rutsch absolviert. Mein Bruder und ich schliefen auf der Rückbank, die mithilfe von Reisetaschen, der Kühlbox sowie Decken und Kissen zu einer möglichst großen Liegefläche umgebaut wurde. Ausgestattet mit je einer Tüte Haribo von Oma und Opa, diversen Sandwiches, Getränken, je einem Kassettenrekorder mit Batterien und Kopfhörern, unseren Kuschelkissen und Decken, verbrachten wir diese erste Nacht unserer Ferien auf der Autobahn.

Natürlich war die Hinfahrt aufregend. Während ich oft Probleme hatte, im Auto zu schlafen, vernichtete mein Bruder die Süßigkeiten, die wir von Oma für die Fahrt bekommen hatten innerhalb der ersten 50 Kilometer und ratzte dann was das Zeug hält. Noch heute erzählen wir uns die Anekdote, wie er einmal beim letzten Tankstopp auf deutschem Boden, an der Raststätte Schauinsland, wach wurde, dann bis zur Grenze zwischen Frankreich und Spanien schlief und dort behauptete: "Du Mama! Frankreich ist ein ziemlich kleines Land."

Wir trugen manchmal schon unsere Badesachen unter den bequemen Reiseklamotten. Da wir meist so früh ankamen, dass wir noch auf die Schlüsselübergabe warten mussten, galt unser erster Stopp einem Restaurant mit Pool, in den wir sofort sprangen.



































Der Urlaub selbst unterschied sich wohl nicht von den Strandurlauben der meisten anderen Menschen: Wir schwammen, lasen, spielten und genossen die Sonne. Da mein Vater schnorchelte und auch Tintenfische jagte, hielten wir uns hauptsächlich an Kiesstränden und Felsen auf. Ab und an wurde aber auch meinem Wunsch nach Sand nachgegeben. Dies hatte nicht nur den Vorteil, dass man weich und bequem liegen konnte, sondern auch, dass wir in einem Geschäft an der Promenade unsere geliebten Asterix-Hefte kaufen konnten.
Abends liebte ich das Gefühl, wenn ich, nach dem Tag im Salzwasser und in der Sonne, geduscht ein Sommerkleid anzog und wir alle zusammen an den Ständchen der Promenade entlang schlenderten.

Auf der Rückfahrt schließlich gab es ein weiteres Ritual. Sobald wir in unseren Ort einfuhren sagten mein Bruder und ich laut die Straßennamen und zuletzt die Hausnummern auf, bis vor unserer Haustür.

Als Jugendliche fand ich es manchmal doof, dass wir immer wieder nach Spanien fuhren, während Schulkollegen in den USA, im Jemen oder in Skandinavien Urlaub machten. Ich wollte Neues entdecken, meinen Horizont erweitern. Aber ich habe es irgendwie auch geliebt, dieses Gefühl, in ein zweites Zuhause zu kommen, anzukommen und einfach nur zu entspannen. Genau dabei helfen Rituale so sehr.

Ich weiß nicht, welche Reisen und Urlaube ich mit meinem Mann und meiner Tochter noch machen werde. Sicher wird es nicht jedes Jahr zum gleichen Ziel gehen. Aber das ein oder andere Mal werden wir sicher an geliebte Orte zurückkehren. In meiner Familie gibt es bisher eher Alltagsrituale, Abläufe, kleine Dinge, die uns das Leben erleichtern oder es schöner machen. Doch ich bin sicher, je älter meine Tochter wird, desto mehr besondere Rituale werden wir kreieren.

Eure Julia aus der guten Kinderstube









Kommentare:

  1. Hallo Julia,

    wir sind in den Urlauben meiner Kindheit immer nach Norden ins geliebte Dänemark gefahren! Das hat mich total geprägt: Auch als Erwachsene mache ich dort noch immer gerne Ferienhausurlaube, und jetzt mit Familie erst recht :)
    Außerdem MUSS es am ersten Abend immer an den Strand gehen ;)
    Oh, jetzt bekomme ich richtig Fernweh...

    Alles Liebe von einer anderen Küste

    Küstenmami

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  2. Irgendwie hat das jetzt wieder nicht geklappt mit dem kommentieren hier, also nochmal ;-)

    Herzlichen Dank, dass Du diese besonders schönen Kindheitserinnerungen mit uns geteilt hast, welch wunderbare Rituale, an die Du Dich heute noch erinnern kannst. Das zeigt doch wie wichtig solche Rituale für Kinder sind. Und ich bin sicher, es werden noch einige schöne in Eurer Familie hinzukommen, die das Leben so plötzlich erfindet.
    Herzliche Grüße und nochmal danke für's mitmachen!
    Tanja

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  3. Hallo Du Liebe! Dein erster Kommentar war schon durchgekommen, ich kam nur erst jetzt zum Freischalten.
    Ja, Rituale, kleine und große, geben uns viel und am Ende schönste Erinnerungen.
    Liebe Grüße ❤️

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