Sonntag, 21. September 2014

Kinder sind Gäste

Schon so lange ich denken kann, war mir klar, dass ich Mutter sein will. Keine Ahnung woher dieser tiefe Wunsch kam. Eine Familie war immer mein Ziel und ging mir auch schon während der Schulzeit über jegliche Karrierepläne. Am liebsten wäre ich eine junge Mutter geworden. Doch leider fehlte dazu lange der passende Mann an meiner Seite, so dass ich erst mit 33 schwanger wurde.

Endlich schwanger! Welch ein Glück.
Meine Tochter ist die Erfüllung meines großen Lebenstraums. Und ja, es ist wirklich so schön, Mutter zu sein, wie ich es mir vorgestellt hatte. Da ich schon sehr früh als Babysitterin und später sogar einige Jahre als Nanny von Zwillingen gearbeitet habe, war mir auch die anstrengende Seite von Kindern nicht unbekannt. Diese ist für Eltern sicher noch ausgeprägter. Schließlich können mein Mann und ich die Verantwortung nicht mit dem Feierabend zurückgeben. Dafür liebe ich mein eigenes Kind noch viel stärker und kann somit mehr annehmen.

Kurzum: Ich bin zurzeit eine sehr glückliche Frau. Gleichzeitig mit der Erfüllung meines Traumes, bzw. zeitlich etwas versetzt, habe ich mir nun neue Träume gesucht. Und damit meine ich nicht, dass mein Mann und ich gerne ein zweites Kind möchten, sondern die Verwirklichung eines anderen Teils meiner Person.

Seit letzter Woche habe ich die Ausbildung zur Heilpraktikerin (Psychotherapie) begonnen. Danach, so der Plan, bilde ich mich so lange weiter, bis ich Menschen bei ihren Beziehungen beraten kann. Eltern und Kindern, Ehepartner, Freunde, Schwiegertöchter und Schwiegermütter, Arbeitnehmer und Chefs... eben alle, die sich in destruktiven Konflikten gefangen fühlen.

Dieser Weg schwebt mir so oder ähnlich schon länger vor, aber erst jetzt habe ich den Mut, ihn zu gehen. Bereits nach der Schule war es mein Wunsch Sozialpädagogik zu studieren, wovon mir ein Mitarbeiter des Arbeitsamts leider erfolgreich abriet. So wurde ich Krankenschwester, studierte einige öde Semester Heilpädagogik, betreute Zwillinge als Kindermädchen und stieg quer in eine Marketingagentur für das Gesundheitswesen ein. Mit der Elternzeit erinnerte ich mich an meine ursprüngliche Berufung und schmiedete Pläne.


Auch wenn mein Mann derzeit die Familie ernährt, will ich mich weiterentwickeln. Nicht, weil ich sehr karrierebewusst wäre und unbedingt eigenes Geld verdienen will. Sondern deshalb, weil ich mir und meinen Kindern zuliebe nicht nur Mutter sein will. Meine Tochter und mögliche weitere Kinder sind Gäste in meinem Leben. Sie sind die liebsten und tollsten Gäste, für die ich alles tun will, was in meiner Macht steht, um sie auf ihr Leben nach unserer Familie vorzubereiten. Aber sie werden gehen und ich will sie dann gerne gehen lassen. Dafür muss ich auch meinen eigenen Weg verfolgen, mit meinem Mann, für mich selbst.

Eure Julia aus der guten Kinderstube



Kommentare:

  1. Hallo liebe Julia, ich bin heute hier ganz zufällig über deinen Blog gestolpert und mag es bei dir :-) Ich werde ganz sicherlich, des Öfteren mal wieder bei dir vorbei schauen! Ich finde deine Artikel wirken sehr authentisch und warmherzig.
    Liebe Grüße, Nina

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  2. Oh, vielen Dank für die Blumen liebe Nina! Das tut immer gut.

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